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Copyright für alle Fotos: Joanna Pianka |
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Rückschau
auf Literatur für junge LeserInnen 2013
Wiens größtes
Kinderliteraturfestival lockte vom 14.-20. März 2013 wieder zahlreiche
kleine und große Leseratten in die prunkvollen Räume des Palais
Auersperg. Eine Woche lang wurde ein reichhaltiges Programm an Lesungen,
Malwerkstätten, Literaturverfilmungen, Theater- und Musikaufführungen,
Spielen sowie Ausflügen in andere Kulturen, Welten und Zeiten geboten.
Außerdem lud die über 2000 Titel umfassende Ausstellung aktueller
Kinder- und Jugendbücher zum persönlichen Entdecken und Schmökern
ein.
Möglich gemacht wurde dieses Lesefest bereits zum 35. Mal vom Institut
für Jugendliteratur im Auftrag von Kunstverein Wien Alte Schmiede
unter Förderung der Kulturabteilung der Stadt Wien.
Kaum ein anderes vergleichbares Format spiegelt innerhalb einer Woche
die spannende Ambivalenz und große Bandbreite der österreichischen
Kunst- und Kulturszene wider: es gab moderne und intermediale Märchenadaptionen
aus aller Welt, Superhelden und Detektive erlebten neue Abenteuer, in
der Malwerkstatt konnte man so manchen Fabelwesen und Meerjungfrauen begegnen,
musikalische und literarische Zeitreisen entführten in die Zeit von
Klassik und Aufklärung, in Form von Slam Poetry und Gebärdensprache
wurde aktiver Wortsport getrieben, zukünftige Wohnformen wurden entworfen
sowie akrobatische und clowneske Weltreisen unternommen.
Die Nachfrage nach den Veranstaltungen war wie schon in den letzten Jahren
enorm: fast 200 Schulklassen nahmen teil. Aufgrund der begrenzten Raum-
und Zeitkapazitäten konnten leider auch heuer wieder viele Klassen
für Veranstaltungen nicht berücksichtigt werden.
Das Angebot richtete sich aber nicht nur an die jungen Lesenden –
auch LiteraturvermittlerInnen wie LehrerInnen, KindergärtnerInnen,
Eltern, BuchhändlerInnen, BibliothekarInnen fanden in dieser Woche
den Weg ins Palais Auersperg, um dort neue Anregungen und Input für
Ihre Arbeit zu erhalten. Sehr positiv wurde in diesem Zusammenhang die
Qualität der Buchausstellung wahrgenommen, die die unterschiedlichsten
Leseinteressen bediente. Hier konnten die BesucherInnen die wichtigsten
und spannendsten Bücher der aktuellen Kinder- und Jugendbuchproduktion
an einem Ort entdecken und die Gelegenheit zum gemütlichen Schmökern
nutzen. Ein bequemer Hörraum mit aktuellen Hörbüchern lud
ebenso zum Verweilen ein.
Kinder- und JugendbuchkünstlerInnen hautnah erleben
Eine Besonderheit des Festivals stellt die direkte Begegnung mit Literatur
in ihren unterschiedlichsten Facetten und Ausdrucksweisen dar. In fast
allen Veranstaltungen können die Kinder in Dialog mit den AutorInnen
und IllustratorInnen treten und einen kreativen und fantasievollen Umgang
mit dem Medium Buch erleben.
Eröffnet wurde die Veranstaltungsreihe von dem mehrfach ausgezeichneten
Künstler Willy Puchner, der sein Publikum in die Welt der Farben,
der weitgereisten Pinguine und der fabelhaften Prinzessinnen entführte
und so einen Einblick in sein bisheriges Schaffen lieferte.
Im weiteren Verlauf der Woche begeisterten etliche AutorInnen mit humoristischen,
spannenden, aber auch ernsten Lesungen: Christoph Mauz präsentierte
seine neue Superheldengeschichte „O-Män – Fast fantastisch“,
Heinz Janisch las aus dem spannenden Krimi „Herr Jaromir und der
Meisterdieb“, Elisabeth Etz setzte sich in „Status Karibik“
mit virtuellen Identitäten in Social Networks auseinander, Rachel
van Kooij erzählte vom „Menschenfresser George“, einem
Hochstapler aus dem 18. Jahrhundert. Dem für viele schwierigen Thema
Sexualerziehung in der Schule widmete sich Lilly Axster mit „Das
machen?“. Besonderen Anklang fand auch die Slam Poetry-Performance
von Markus Köhle, der sein jugendliches Publikum durch Mitmach-Texte
in die Bühnen-Poesie miteinbezog.
Große Bandbreite an qualitativer Kunst für Kinder
„Literatur für junge LeserInnen“ beschränkt sich
aber nicht nur auf die Literaturpräsentation in Form von klassischen
Lesungen – qualitative, österreichische Kunstvermittlung für
Kinder in allen möglichen Facetten wurde im Zuge des Festivals dargeboten.
Marko Simsa begab sich auf einen abwechslungsreichen Streifzug durch die
Werke Mozarts, während die Theatergruppe Die Kurbel aus einer Handvoll
Zollstöcken ganze Abenteuer entstehen ließ. In Form eines Musik-Tanz-Theaters
machte sich das Theatro Piccolo auf die Suche nach dem Glück, die
Ultimativ Nashorn Combo gab Rhythmen, Melodien und Harmonien aus aller
Welt zum Besten. Martha Labil sowie das Duo Schulz war nur der Franz lieferten
anspruchsvolles Clowntheater und zauberten Geschichten und Bilder aus
ihren Koffern oder Hüten.
Intermedialität stand bei vielen Veranstaltungen im Zentrum: in einem
Mix von Video-Installationen, Schau- und Klavierspiel begab sich Ulrich
Kaufmann in die Welt von Dmitri Schostakowitsch, in „Buttje Kaputtje“
wurde das Märchen vom Fischer und seiner Frau als musikalisches Schattenspiel
dargestellt.
Auch dem Schreiben und Forschen wurde Raum gegeben: Angehende JournalistInnen
konnten in der Zeitungswerkstatt des Kinderkuriers ihr Talent erproben,
in einer Veranstaltung von Astronomie Wien wurden Geschichten von Himmelskörpern,
allen voran dem Mond, erzählt. Die Welt gehörloser Menschen
wurde durch den Workshop „Mit Händen singen!“ sowie einen
Film in Österreichischer Gebärdensprache erfahrbar gemacht.
In der Malwerkstatt – am Wochenende und an den Nachmittagen für
alle BesucherInnen, an den Vormittagen für Gruppen offen –
hatte man Gelegenheit der eigenen kreativen Tätigkeit freien Lauf
zu lassen. In Workshops unter der Leitung von bereits etablierten IllustratorInnen
wie etwa Helga Bansch oder Maria Hubinger, aber auch noch unbekannteren
KünstlerInnen wie Eva Hebenstreit (Gewinnerin des Dixi Kinderliteraturpreises
2012), Doroteya Petrova oder Renate Stockreiter hatten die Kinder die
Möglichkeit zum gemeinsamen Malen, Zeichnen und Erzählen. Dabei
konnten verschiedenste künstlerische Techniken anhand konkreter Bilderbücher
erarbeitet werden.
Neben der Malwerkstatt bot auch die Spielebox mit Lern-, Brett- und Geschicklichkeitsspielen
einen betreuten Rahmen zur kreativen Beschäftigung.
International besetztes Programm
Gerade was das Programm bezüglich der Bilderbuchkunst angeht, konnte
„Literatur für junge LeserInnen“ in diesem Jahr mit einem
hochkarätig besetzten internationalen Programm aufwarten.
In Kooperation mit „Laureate na Nog“ und „Culture Ireland“
wurde die Ausstellung „Pictiúr – Contemporary Children’s
Book Illustration from Ireland“ präsentiert, die anlässlich
der irischen EU-Präsidentschaft durch Europa tourt. Kurzfilm
auf YouTube (2 Min.)
Außerdem hielt die aktuelle Laureatin
Niamh Sharkey einen Workshop ab, in dem nach Vorbild ihres Buches „I
am a happy hugglewug“ gemeinsam Monster gekritzelt werden durften.
Auch die Gestalterin des diesjährigen Plakates und renommierte Illustratorin
Isabel Pin reiste aus Berlin an, um ihr neues Buch „Papa Räuber“
im Rahmen eines Kreativworkshops vorzustellen.
Durch eine weitere Zusammenarbeit mit dem Verein X-Change culture-science
konnte weiters der preisgekrönte dänische Illustrator Søren
Jessen gewonnen werden, der sich gemeinsam mit den Kindern fantasievoll
dem Thema Wohnen in der Zukunft widmete.
Dieser kleine Einblick in das vielfältige Angebot vermag zu zeigen,
dass sich „Literatur für junge LeserInnen“ als feste
und wichtige Größe im Bereich der Lese- und Literaturförderung
etabliert hat. Klassische Vermittlungsformen wie Lesungen, Theater und
Buchausstellungen werden mit Programmpunkten verbunden, die Literatur
für das junge Publikum auf unkonventionelle, innovative Art erfahrbar
machen.
Der Erfolg dieses Konzepts lässt sich an den fast 12.000 BesucherInnen
ablesen, die „Literatur für junge LeserInnen“ in diesem
Jahr für sich nutzen konnten.
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