Literatur für junge LeserInnen 2006

Palais Auersperg
Auerspergstraße 1, 1080 Wien

23. – 29. März 2006
täglich von 9 – 18 Uhr
am 29. März von 9 – 13 Uhr

Freier Eintritt bei allen Veranstaltungen

Veranstalter:
Kunstverein Wien Alte Schmiede und Institut für Jugendliteratur
mit besonderer Förderung der Kulturabteilung der Stadt Wien

 

Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist die Woche „Literatur für junge LeserInnen“ - mit über 60 Programmpunkten die größte kinderliterarische Veranstaltung in Wien - ein nicht mehr weg zu denkender Impuls der Leseförderung, Forum der Begegnung des jungen Publikums mit „ihren“ Kunstschaffenden: Mit AutorInnen, IllustratorInnen, TheatermacherInnen und MusikerInnen. Durch den direkten Kontakt werden Leseinteresse und Lesefreude geweckt und gefördert. So ist die „Literaturwoche“ zu einem wichtigen Treffpunkt geworden: Für junge Leseratten sowieso, aber auch für Kinder, die literarischen Texten normalerweise nicht so nahe kommen, für LehrerInnen und KindergärtnerInnen oder für Eltern, die Wert darauf legen, dass ihre Kinder Lesen als lustvolle Beschäftigung erfahren und vermittelt bekommen.

Die Vormittagsveranstaltungen werden – in Kooperation mit dem Wiener Stadtschulrat - von Wiener Schulklassen besucht. So konnten im Rahmen der Woche über 180 Klassen an den Lesungen und Kreativveranstaltungen teilnehmen.

Die diesjährige Literaturwoche deckte wieder ein ausgesprochen breites inhaltliches und künstlerisches Spektrum ab. Gleich nach der von Herrn Kulturstadtrat Mailath-Pokorny durchgeführten Eröffnung präsentierte der vielfach ausgezeichnete Autor Heinz Janisch Lyrik von „MorgenNatz und RingelStern“, eine Lesung mit Saxophonbegleitung: über 300 Kinder sprachspielten, reimten und fantasierten mit ihm gemeinsam.
Diese Verbindung zwischen literarischen Texten in direkter, persönlicher Vermittlung und der Anregung zu eigener Kreativität ist eine der konzeptuellen Säulen, auf denen die Veranstaltungsreihe ruht. Gelesen wurde buchstäblich im Stundentakt in zwei Sälen. Die bekanntesten und innovativsten österreichischen Kinder- und Jugendbuchkünstler präsentierten sich mit aktuellen eigenen Werken ihrem jungen Publikum. Christine Nöstlinger las aus bekannten und neuen Texten, Michael Schmid thematisierte Gewalt in der Schule, Heinz R. Unger las aus einer amüsanten Persiflage, Rachel van Kooij ließ uns einen Schiffbruch vor Australien miterleben, Evelyne Stein-Fischer dachte nach über Liebe und andere Beziehungen, Christoph Mauz stellte uns „Emma- ein girl wie Dynamit“ vor und Martin Auer berichtete über seine Reise in die Slums von Nairobi.
So gab es auch wieder einen Schwerpunkt zu Literatur und Kunst aus außereuropäischen Ländern: Die iranische Illustratorin Fatemeh Radpour unternahm mit den Kindern eine „Reise übers Wasser“ – altiranischen Motiven nachempfunden, Babatola Aloba aus Ghana weihte uns ein in afrikanischen Märchenzauber und Musik, Fred Ohenhen aus Nigeria zeigte uns Tänze, Trommeln und auch Erzählungen aus seiner Heimat und Mah Diakité aus Mali trug überaus lebendig Nelson Mandelas afrikanische Lieblingsmärchen vor.

Auch Radio Ö1 mit seinem Rudi Radiohund war wieder ein lieber Gast. Rudi wollte Popstar werden, mit Hilfe der vielen Kinder ist ihm dies dann durchaus gelungen. Ebenfalls von Ö1 wurden Hörsäulen zur Verfügung gestellt, in denen CD´s für Kinder und Jugendliche angehört werden konnten. Insgesamt wurde dem akustischen Erlebnis breiter Raum gegeben: ein eigener verdunkelter Raum, voll mit Sitzkissen, stand zum ruhigen und genussvollen Anhören von Hörbüchern zur Verfügung.

Mit Sachbuch-Veranstaltungen wurde auch dem Informationsbedürfnis der Kinder Rechnung getragen: Der Nationalratsabgeordnete und Behindertensprecher Franz-Joseph Huainigg informierte über Parlament und Politik in Österreich und wie eigentlich Gesetze gemacht werden, Andreas Jäger vermittelte spielerisch die Entstehung von Wetterphänomenen und Elke Krasny unternahm eine Reise durch die Welt des Lichts.

Natürlich konnten und wollten wir in diesem Jahr auch nicht an Wolfgang Amadeus Mozart vorbeigehen. Sigrid Laube stellte ihren Roman „Aber Mozart“ vor, als Filmmatinee am Sonntag wurde der Zeichentrickfilm „Die kleine Zauberflöte“ gezeigt und im Anschluß daran eine von Prof. Werner Hackl für Kinder adaptierte Fassung der Oper „Die Zauberflöte“. Der Besucheransturm dabei war so groß, dass wir einige Erwachsene bitten mussten, aufs Zusehen zu verzichten.
Auf sehr großes Interesse stieß auch wieder die Kindertheaterschiene. Das Theater SichART zeigte die etwas andere Version vom Froschkönig – nach einer Vorlage von Janosch; Marko Simsa und sein dynamisches Musikerensemble ließen Filipp Frosch das Geheimnis des Wassers lüften, Stefan Karch brachte ein spannendes „Schwarzes Theater“ mit, zwei Clowndoktoren hielten einen Vortrag über Blutkörperchen, das Theater Trittbrettl stellte drei Rätsel, einer japanischen Legende nachempfunden vor, das Theater im Ohrensessel bot eine sensible Bearbeitung von „Der goldene Vogel“ nach den Gebrüdern Grimm und die Gruppe „Meet The Monster“improvisierte eine Theaterreise mit Gedichten und Liedern, die das Publikum auswählte.

Ein besonderer konzeptioneller Schwerpunkt neben den „klassischen“ Bausteinen wie Autorenlesung, Theaterveranstaltung und Buchausstellung liegt im kreativen, spielerischen Umgang mit Texten, der andere Vermittlungs- und Präsentationsformen miteinschließt: In Bastel-, Kreativ-, Theater-, Mal-, Musik- und Zeitungswerkstätten wurden – ausgehend von Texten – eigenständige Umsetzungen erarbeitet.
Lebendige, zeitgemäße Leseförderung steht im Zentrum von „Literatur für junge LeserInnen“: das Buch wird dabei in einen Gesamtzusammenhang mit anderen Medien gestellt. So wurden wieder Zeichentrickfilme von Sendak, Janosch oder Ungerer als auch international ausgezeichnete Kinderfilme gezeigt; für Vorschulkinder wurde ein eigenes Bilderbuchkino gestaltet.

Die Literaturwoche fand auch heuer wieder großen Anklang – nicht nur bei Schulklassen und Gruppen – sondern auch bei vielen Kindern und Erwachsenen, die an den Nachmittagen und am Wochenende ins Palais kamen um in der kindgemäß gestalteten Buchausstellung mit über 3000 Titeln zu schmökern. Ein Ansporn, uns weiterhin um außerschulische Leseförderung zu bemühen und immer wieder aktuelle Modelle lebendiger Buchvermittlung zu erarbeiten.


Helmuth Müller

 





 


1000 und 1 Buch
      die KJL-Zeitschrift online
ALIDA
      die KJL-Datenbank online

 
INSTITUT FÜR JUGENDLITERATUR   Mayerhofgasse 6    A-1040 Wien         Tel.: +43/1/505 03 59        office@jugendliteratur.net