Buch des Monats der AG Kinder- und Jugendliteratur

Das Leben des 12-jährigen Mik hat zu Beginn des Romans einen düsteren Höhepunkt erreicht. In einer schmuddeligen Großstadt erlebt er den Zusammenbruch seines alkoholkranken Vaters und die Verhaftung des großen Bruders, seine Mutter ist längst tot. Nun kann er in der Schule nicht mehr verheimlichen, dass er völlig auf sich alleingestellt ist. Aus den Trümmern seiner Scheinwelt wird Mik zu seiner bis dahin ungekannten Tante Lena nach Nordschweden geschickt. Losgelöst von den beengenden Zivilisationsbeschränkungen der überfüllten Städte lebt dort eine Dorfgemeinschaft zusammen, die sich um zwei Supermärkte und eine Zwergschule schart. Statussymbole spielen hier so wenig eine Rolle wie andere Leistungsmerkmale. Ob alt oder jung, einfältig oder klug, gesund oder krank, jeder wird akzeptiert, egal mit welchem biographischen Hintergrund.

Der Autor gibt seinem Protagonisten hier gerade soviel Zeit, dass er die Wärme dieser Menschen erfahren kann und eine geheimnisvolle Natur kennenlernt, die ihm Geborgenheit spendet. Dann bringen ihn die Vertreter der staatlichen Ordnung, seelenlos wie sie sind, gegen seinen Willen in eine bösartige Pflegefamilie. Mik muss dort Martyrien beim Reinigen von Hundekäfigen erleben und wird von seiner Pflegeschwester mit der Reitpeitsche zusammengeschlagen. Was auf den ersten Blick wie die ideale Kleinfamilie ausgesehen hatte, entpuppt sich als noch unmenschlicher, als das chaotische Zuhause des Alkoholikerkindes. Folgerichtig kämpft Mik sich zurück zur Natur und wird dort von seinen Freunden vor dem Zugriff der Behörden gerettet.

Der Roman zieht den Leser unwiderstehlich in Bann, weil die harte soziale Realität aufgefangen wird von den mythischen Erlebniswelten der nordischen Landschaft. Dichte Wälder, reißende Flüsse, Wasserfälle und rätselhaft spiegelnde Seen geben Miks Suche nach dem eigenen Selbst und seinem Wert einen magischen Hintergrund. Beim Schrei der Sperbereule, vor Tellern heißer Pfannkuchen, die Tante Lena gebacken hat, in den Armen eines knabenhaften Mädchens und in der verschworenen Gemeinschaft gleichaltriger Jungs findet Mik unerwartet zurück zu familiärer Geborgenheit.

Ines-Bianca Vogdt für "1000 und 1 Buch"


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Mikael Engström: Ihr kriegt mich nicht!

Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer

München: Hanser 2009
268 Seiten; Eur 16,40

Hanser



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