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Buch des Monats Jänner 2010

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Buch des Monats der AG Kinder- und Jugendliteratur
Das Leben des 12-jährigen Mik hat zu Beginn des Romans einen düsteren
Höhepunkt erreicht. In einer schmuddeligen Großstadt erlebt
er den Zusammenbruch seines alkoholkranken Vaters und die Verhaftung des
großen Bruders, seine Mutter ist längst tot. Nun kann er in
der Schule nicht mehr verheimlichen, dass er völlig auf sich alleingestellt
ist. Aus den Trümmern seiner Scheinwelt wird Mik zu seiner bis dahin
ungekannten Tante Lena nach Nordschweden geschickt. Losgelöst von
den beengenden Zivilisationsbeschränkungen der überfüllten
Städte lebt dort eine Dorfgemeinschaft zusammen, die sich um zwei
Supermärkte und eine Zwergschule schart. Statussymbole spielen hier
so wenig eine Rolle wie andere Leistungsmerkmale. Ob alt oder jung, einfältig
oder klug, gesund oder krank, jeder wird akzeptiert, egal mit welchem
biographischen Hintergrund.
Der Autor gibt seinem Protagonisten hier gerade
soviel Zeit, dass er die Wärme dieser Menschen erfahren kann und
eine geheimnisvolle Natur kennenlernt, die ihm Geborgenheit spendet. Dann
bringen ihn die Vertreter der staatlichen Ordnung, seelenlos wie sie sind,
gegen seinen Willen in eine bösartige Pflegefamilie. Mik muss dort
Martyrien beim Reinigen von Hundekäfigen erleben und wird von seiner
Pflegeschwester mit der Reitpeitsche zusammengeschlagen. Was auf den ersten
Blick wie die ideale Kleinfamilie ausgesehen hatte, entpuppt sich als
noch unmenschlicher, als das chaotische Zuhause des Alkoholikerkindes.
Folgerichtig kämpft Mik sich zurück zur Natur und wird dort
von seinen Freunden vor dem Zugriff der Behörden gerettet.
Der Roman
zieht den Leser unwiderstehlich in Bann, weil die harte soziale Realität
aufgefangen wird von den mythischen Erlebniswelten der nordischen Landschaft.
Dichte Wälder, reißende Flüsse, Wasserfälle und rätselhaft
spiegelnde Seen geben Miks Suche nach dem eigenen Selbst und seinem Wert
einen magischen Hintergrund. Beim Schrei der Sperbereule, vor Tellern
heißer Pfannkuchen, die Tante Lena gebacken hat, in den Armen eines
knabenhaften Mädchens und in der verschworenen Gemeinschaft gleichaltriger
Jungs findet Mik unerwartet zurück zu familiärer Geborgenheit.
Ines-Bianca Vogdt für "1000 und 1 Buch"
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