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Buch des Monats Dezember 2009

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Buch des Monats der AG Kinder- und Jugendliteratur
Nach über 40 Romanen aus der „Scheibenwelt“ erfindet
Pratchett nun eine neue Welt und beglückt uns mit einem ebenso spannenden
wie klugen wie amüsanten Jugendbuch. Ein Jugendbuch, das eine moderne
Robinsonade entwirft, Anleihen bei maritimen Klassikern aus Literatur
und Film nimmt – von der „Schatzinsel“ bis zum „Fluch
der Karibik“ – und nichts weniger als das Abenteuer (zumindest)
der Saison bietet.
„Eine Insel“ spielt irgendwo im pelagischen Ozean, irgendwann
in einer leicht schrägen Variation des 19. Jahrhunderts und inszeniert
die Begegnung zweier Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Da ist der „edle Wilde“ Mau, ein 13-jähriger Junge, der
mit Geisterglaube und magischem Denken aufwächst und gemäß
der Mythologie seines Volkes nach seinem Tod in einen Delfin verwandelt
werden wird. Und da ist Daphne, Nummer 138 in der Thronfolge des britischen
Empires und eine streng viktorianisch erzogene junge Dame, die unter dem
„Fluch guter Manieren“ leidet und mindestens vier Unterröcke
trägt. Ausgerechnet sie verschlägt es per Schiffbruch auf die
Insel, wo sie auf einen von allen Menschen und Göttern verlassenen
Mau trifft. Denn kurz zuvor hat ein Tsunami sein ganzes Volk vernichtet.
Gemeinsam machen sie sich an den Aufbau einer neuen Welt, stellen Althergebrachtes
ihrer jeweiligen Kultur in Frage, lernen Neues und brechen Tabus, sehen
sich alsbald nicht nur von hilfsbedürftigen Flüchtlingen, sondern
auch von Meuterern, Piraten und Kannibalen umringt. Und während sie
einen Unterrock nach dem anderen ablegt und er die Kleidung der eigenwilligen
„Hosenmenschen“ anprobiert, merken sie, dass sie beide und
ihre „Stammes“-Welten sich ähnlicher sind, als sie zunächst
vermutet hatten, und dass selbst ein Kannibalenhäuptling verdammte
Ähnlichkeit mit dem englischen Premierminister oder dem Erzbischof
von Canterbury haben kann.
Ein virtuos inszenierter „cultural clash“, mal hochkomisch,
mal tiefernst. Da braut uns Pratchett ein Inselbier – das erst genießbar
wird, wenn man kräftig reinspuckt und so lange wartet, wie es dauert,
16 mal den Bibabutzemann zu singen – und serviert dazu Gedanken
und Gespräche über Theodizee und Evolution, über Imperialismus
und Nationsbildung. Denn auch wenn sich Pratchett gern mal den Mantel
beliebter Südseeseeräuberpossen umhängt, hat er in dessen
Futter stets eine gehörige Portion Zivilisationskritik versteckt.
Klaus Nowak für "1000 und 1 Buch"
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