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Buch des Monats August 2009

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Buch des Monats der AG Kinder- und Jugendliteratur
Es liegt weitab vom Schuss, das kleine Dorf Lescun, in den Bergen
Frankreichs. Der Krieg ist fern. Das alltägliche Leben, so scheint
es, geht weiter. Der 12-jährige Jo hütet die Schafe, ackert
mit Mutter und Großvater, seit der Vater an der Front ist. Bis auf
einmal der Krieg ganz nah ist. Da fallen Schüsse. Eine Bärin,
die Jo entdeckt hat, wird von den Männern des Dorfes gejagt. Jo fühlt
sich schuldig am Tod der Bärin und am Hunger des Bärenjungen.
Doch von dem weiß keiner. Außer ihm und jenem fremden Mann,
Benjamin, der im Wald plötzlich vor ihm steht.
In Michael Morpurgos beinahe stiller Geschichte über Zweiten Weltkrieg
und Holocaust ist die Jagd auf die Bärin Abbild und Anfang einer
viel größeren Jagd, die längst begonnen hat. Eine Jagd
auf Menschen, auf Juden. Benjamin ist einer von ihnen. Auf dem Hof seiner
Schwiegermutter versteckt er jüdische Kinder, um sie über die
Grenze nach Spanien zu schleusen. Und wartet auf seine Tochter Anya. Als
die Deutschen einmarschieren, bittet er Jo um Hilfe. Jo macht mit. Und
am Ende das ganze Dorf. Unter den Augen der Soldaten werden die Kinder
in einer spektakulären Aktion in Sicherheit gebracht. Fast allen
gelingt die Flucht.
Denn der Barbarei setzt der britische Autor eine versöhnliche Geschichte
entgegen, begegnet Schuld und Terror mit Solidarität, Angst mit Mut,
und deutet so, wenigstens in der Fiktion, wenigstens im Kleinen um, was
millionenfach so vernichtend anders gewesen ist. Was Menschen –
so oder so – möglich ist, ist hier nachzulesen. Kein Schrecken
wird genommen. Ein einfaches Gut oder Böse gibt es nicht. Der deutsche
Unteroffizier schaut im entscheidenden Moment weg. Und doch liefern die
Soldaten Benjamin und die kleine Léah aus. Nach dem Krieg wird
Jo ein menschenscheuer Schäfer. Aber eines Tages steht Anya vor der
Tür. In einer einfühlsamen Erzählung, die von wortkarger
Zurückhaltung lebt, gerade durch die Andeutung zum Nachdenken zwingt.
Ohne Verklärung, aber auch: ohne völlige Vergeblichkeit.
Christine Knödler für "1000 und
1 Buch"
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