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Buch des Monats März 2009

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Buch des Monats der AG Kinder- und Jugendliteratur
Wenn ich ein Kind wär’ und läge mit Fieber im Krankenhaus
am Tropf und hätte gerade Grimms Märchen gelesen und neben mir
läge ein fremdes Mädchen, dann würde meine Phantasie wild
durcheinanderjagen. Ich würde angeben und neue Strategien entwickeln,
wie der Jäger das Rotkäppchen hätte schützen können.
Und das andere Mädchen würde mit spitzfindigen Antworten meinen
schönen Plan zunichte machen. Dann würde ich einen neuen Anlauf
nehmen, diesmal mit den sieben Geißlein, aber wir würden uns
nur noch mehr verheddern – ich würde den Unterschied zwischen
Wölfen und Hunden nicht mehr verstehen und müsste darauf aufmerksam
gemacht werden, dass auch Ziegen sich mit Hunden nicht so gut verstehen.
Und während ich ein Mensch oder ein harmloses Zicklein bliebe, würde
die andere sich immer mehr als Wolf entpuppen. Zum Glück würde
das Untier dann von einer Krankenschwester hinausgeschoben und ich bliebe
friedlich in meinem gestreiften Schlafanzug zurück. So geschieht
es in dem farbenprächtigen Bilderbuch von Schneider und Harjes. Ein
Märchenverwirrspiel in diabolischen Farbtönen zwischen Blutrot
und giftigem Lila, mit vielen weißen Raffzähnen, tückisch
funkelnden Augen und glänzenden Fliegenpilzen. Dazwischen immer wieder
klaustrophobe Kämmerchen, rätselhafte Nummern und spitze Vogelschnäbel:
ein veritabler Fiebertraum. Unerschrocken werden verschiedene Illustrationstechniken
eingesetzt – gemalt, ge-zeichnet, collagiert, mal matt, mal rätselhaft
glänzend. Ein Buch zum „Zusammenanschauen“, denn gemeinsam
kann man die Geschichten weiterspinnen, auch ohne Fieber, und vom Hundertsten
ins Tausendste kommen. Immer mit dieser zwingenden, absurden Logik, für
die Kinder im Vorschulalter Spezialisten sind. Für Erwachsene möglicherweise
eine anstrengende Reise. Vergeblich werden sie nach Regelmäßigkeiten,
überschaubarer Psychologie oder einem kollektiven Urgrund von Märchen
suchen. Orientierungslos taumeln sie durch den Bilderwald von Stefanie
Harjes wie Karl Roßmann durch die amerikanischen Un-tiefen in Kafkas
„Der Verschollene“.
Ines-Bianca Vogdt für 1000 und 1 Buch
Buch
des Monats - Archiv

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