| |
Buch des Monats November 2007
|
|
Buch des Monats der AG Kinder- und Jugendliteratur
"Bowie hat seinen Abdruck auf Fienchens Körper hinterlassen,
hat seine Duftmarke gesetzt, hat in ihr ein Gefühl hinterlassen.
Jede Fienchenfaser erinnert Bowie, hallt ihn nach, spielt Echoechoecho.
Fienchen irrt durch die morgendliche Kälte, es ist nass und kalt
und scheißekelhaft da draußen. Und in Fienchen Echoechoecho."
Es ist dieses Echo, dem Tamara Bach in ihrem nunmehr dritten Roman nachlauscht.
Mit forensischer Genauigkeit überprüft sie jene Abdrücke,
die ihre Figuren hinterlassen – aneinander, in ihren Familiengefügen,
in ihrer Außenwelt. Ihren literarischen Untersuchungsraum steckt
sie dabei sehr genau ab: zehn Tage im Jänner – vom Silvesterabend
bis zum ersten Schultag – stehen einerseits für jene unbewegte
Zeit zwischen den Zeiten und andererseits für den Neuanfang, den
Wunsch etwas in Bewegung zu bringen, sich dem ewiggleichen Trott zu entziehen:
Im hier und jetzt wollen Bachs Figuren leben, wollen sich spüren,
zu sich kommen, sich aus ihrem Lebens-Vakuum befreien, das Fremdheitsgefühl
überwinden, das ihr Miteinander bestimmt. Vier Jugendliche stehen
im Mittelpunkt, Zanker, Mono, Bowie und Fienchen: An ihren freundschaftlichen
und familiären Beziehungen entspinnen sich jene Handlungsstränge,
die miteinander verwoben ein dichtes Geflecht jugendlicher Befindlichkeiten
ergeben, die Tamara Bach einmal mehr mit Beobachtungsgabe und ihrem ganz
spezifischen Sprachrhythmus einfängt.
In den Formulierungen gekonnt
respektlos und doch mit seismografischer Genauigkeit zeichnet sie nach,
was sich zwischen den Zeilen des Plots abspielt – nicht Oberflächenhandlung
bestimmt den Text, sondern das Unausgesprochene, Erahnte und Gefühlte.
Dessen Dynamik zeigt sich im Perspektivenwechsel, im Hin und Her zwischen
den Figuren; gleichzeitig sich Ereignendes wird dabei ineinander geschoben
und durch Rückblenden durchbrochen. Unterlegt wird dieses Patchwork
einmal mehr mit einem spezifischen Soundtrack, der eine noch genauere
Verortung der emotionalen Befindlichkeiten der Figuren er möglicht.
Heidi Lexe für "1000 und 1 Buch"
Buch
des Monats - Archiv

nach oben
|
|