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Buch des Monats Juli 2007
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Buch des Monats der AG Kinder- und Jugendliteratur
Im kinderliterarischen Nachttierhaus trifft man auf eine besondere Spezies
an Getier: Wichtigstes Merkmal dieser fiktionalen Vierbeiner ist, dass
diese Geschöpfe nur für Kinder sichtbar sind; ängstlich
herbeigerufene Eltern treffen diese mit allen Wassern gewaschenen Biester
(fast) niemals an. Auf dem freien Buchmarkt sind sie vorzugsweise in Kinderzimmern
angesiedelt, einige leben aber auch in dunklen Kellerabteilen oder an
anderen grauslichen Orten. Tagsüber dämmern diese Wesen still
vor sich hin, erst nach dem abendlichen Lichtauslöschen werden sie
in der Regel aktiv und zerreißen das traumschwere Dunkel.
Von so einer wunderlichen Begegnung erzählt der Schweizer Autor Jörg
Schubiger. Ein kleines Mädchen bekommt Besuch von einem (erfundenen?)
weißen und einem (echten?) schwarzen Bären. Die beiden Viecher
bevölkern ihr Kinderzimmer und erzählen ihre dunklen Weisheiten.
Am morgendlichen Frühstückstisch erfährt die staunende
Mutter von diesen Nachtgestalten. Das Mädchen berichtet, was der
weiße Bäre gesagt habe. Er meint, dass sich nachts die Puppen
im Dunkeln fürchten. Merkwürdig ist indes, dass das Mädchen
auch erzählt, dass der weiße Bär schweigt! Doch in dieser
verschwiegenen Redseligkeit ist er dem schwarzen Bären ganz verwandt.
Auch er erscheint ihr nachts und bevölkert stumm das traumverhangene
Zimmer. Von diesem stillen Freund vernimmt man: Die Nacht ist zutraulich.
Die Kinder fürchten sich nicht. Nur die Räuber und Diebe.
Der Schweizer Meister der poetisch-feinen Kindheitskonfiserie spinnt in
diesem schön gestalteten Bilderbuch eine zarte Wachträumerei.
Kunstvoll verschränkt er dabei kindliche Ängste ebenso wie mutige
Überlistungseinfälle, die das Dunkel zu entdämonisieren
versuchen. Verwundert folgt man den Wendungen der Erzählungen, den
Paradoxa und Widersprüchen des Erzählten, die das Erzählte
als Gelogenes bezeichnen, das Gesagte als Schweigen ausgeben, die nächtlich
erlebte Angst den Puppen zuschreiben und gleich im Doppelpack Bären
ersinnen. Und gleichzeitig fasst dieser lose gewobene Erzählfaden
das nächtliche Erleben zu einem durchaus stimmigen Bild.
Die Illustratorin
Eva Muggenthaler entwirft zu diesem kunstvoll verschränkten Gedankenspiel
eindrückliche Szenen, die sowohl das nächtliche Kinderzimmerleben
als auch den frühstücklichen Alltag wiedergeben. Ihre Nachtbilder
sind von den bärenhaften Schwarz-Weiß-Kontrasten dominiert.
Die traumverlorenen Illustrationen, die ausschnitthaft das Kinderzimmerinventar
zitieren und mit schrägen Perspektiven die Szenerie anreißen,
sind in kreideweichen Dämmer getaucht. Einige warme Farbtupfer hellen
freundlich diese surreal anmutenden Szenerien auf.
Beim Betrachten und Lesen dieses Buches staunt man über diese grandiosen
und doch mit scheinbar leichter Hand entworfenen Inszenierungen. Die Kunstfertigkeit
von Text und Illustration lässt einen durch diese feine Nachtgeschichte
treiben – staunend, vergnügt und ein bisschen schläfrig.
Caroline Roeder für "1000 und 1
Buch"
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