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Buch des Monats Juni 2007
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Buch des Monats der AG Kinder- und Jugendliteratur
Im Romandebüt der jungen englischen Sängerin und Texterin Ally
Kennen geht’s ums Fressen und Gefressenwerden – kein Buch
für Vegetarier! Seit vier Jahren lebt der 17-jährige Ich-Erzähler
Stephen in einer Pflegefamilie und hat ganz schön zu kämpfen.
Er weiß als einziger, daß im Versteck am Rand des benachbarten
Stausees ein Alligator haust – er hat ihn selbst dort eingesperrt.
Unter Mühen und Lügen immer auf der Suche nach Fleisch für
sein gefährliches Haustier, nagt in ihm nicht nur die Angst vor dessen
Ausbruch, sondern auch die, von der Gesellschaft bereits als Verlierer
abgeschrieben zu sein.
Wie tötet man einen vier Meter langen Alligator? Neben diesem seltenen
Problem treiben ihn moralische Skrupel um: Das „Monster“ ist
sein schlimmster Alptraum, aber auch sein Schützling, seit er es
als Miniechse von seinem versoffenen leiblichen Dad bekam.
Stephen denkt und handelt verantwortungsbewußter als die gleichaltrigen
Wohlstandskinder, die die Party seiner Pflegeschwester beinahe in eine
Brandkatastrophe verwandeln. Er wird beschuldigt und landet eine Nacht
in Haft. Es spricht für seine Reife, daß ihn solche Erlebnisse
nicht zum Menschenfeind machen, dem das Reptil als willkommene Waffe für
einem Amoklauf dient.
Er ist ein scharfer Beobachter mit trockenem Humor. Den braucht er dringend:
Als „Beast“ ausbricht, tauchen obendrein sein unberechenbarer
Vater und seine Pflegeschwester Carol – bisher ein unausstehliches,
ja, Biest – am See auf.
Ally Kennen spielt geschickt mit dem beliebten Horrorgenre und läßt
lange offen, ob es nicht doch noch zum trashig-blutigen Showdown in der
Reihenhaussiedlung kommt. Die Auseinandersetzung mit dem bösen „Beast“,
das die dunklen Aspekte in der Seele des menschlichen Helden verkörpert
und ihn zu verschlingen droht, findet man in vielen klassischen Abenteuergeschichten.
Die Autorin greift das auf, ohne das Motiv überzustrapazieren und
hat hier eine sehr lesenswerte Geschichte über Verantwortung geschrieben.
Annette Zerpner für "1000 und 1
Buch"
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