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Buch des Monats März 2007
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Buch des Monats der AG Kinder- und Jugendliteratur
Wie groß ist „riesengroß“ mit sechs Jahren? Größer
als der Mammutbaum aus dem Mickeymaus-Heft? Ohne Ende, meint die Mutter!
Ohne Ende ist zweifelsohne riesengrößer als der Mammutbaum.
Und zu diesem Wunder soll die diesjährige Ferienreise gehen –
was für grandiose Aussichten. Doch, das Meer ist und bleibt in dieser
Geschichte vorerst unerreichbar und an den Horizont verbannt. Erst bricht
sich die Mutter den Knöchel und so fällt die geplante Fahrt
ins Wasser, dann kuriert der kindliche Erzähler im folgenden Jahr
eine Blinddarmoperation aus; danach fehlt es an Geld für den Urlaub,
anschließend trennen sich die Eltern und – unversehens ist
der Junge herangewachsen. Vorerst zieht es ihn nicht zum Meer, denn verlockender
erscheint ihm die Liebe und das Mädchen Monika. Und auch wenn man
bereits ahnt, dass dies nicht die richtige Entscheidung (für die
Liebe und gegen das Meer) war, so passt doch auch dieser Part der Erzählung
bestechend genau in die tragikomische Kette an dauerhaften Meer-Blick-Verhinderungen.
Doch glücklicherweise endet diese Geschichte des unerfüllten
Glücks dann noch glücklich. Auf ihren letzten Seiten führ
sie ans Meer. Dorthin reist der inzwischen zum Erwachsenen Herangewachsene;
als er es sieht denkt er: „Das Meer ist riesengroß!“
Die österreichische Autorin Inge Fasan erzählt ihre kleine Geschichte
fast sachlich und mit lakonischem Witz. Mit Riesen-Schritten durchmisst
sie dabei einen Lebensweg, die verpassten Meeresblicke dienen ihr als
Stationen. Ihr gelingt eine Kindheits-Geschichte zu entwerfen, die wie
auf eine Perlschnur aufgezogen ist, und tiefgründige Fragen beinhaltet:
Nach Sehnsucht und Sehnsüchten, nach Lebenswünschen und unerfüllten
Träumen.
Linda Wolfsgruber hat für diesen klug konzipierten Weg wunderbare
Bilder entworfen. Sie sind alle blau – blau wie das Meer, blau wie
die romantisch-blaue Blume, blau wie die Sehnsucht. Mal doppelseitig,
mal über die Seiten laufend (besonders schön das Landmädchen
Monika, die anspielungsreich aus einem Meerjungfrauenschwanz entspringt),
mal als blaupapierener Hintergrund. Wolfgrubers Illustrationen sind einfach
und bestechend schön. Die Künstlerin schafft luzide, transparente
Traumbilder, surreale kleine Inszenierungen und Szenarios, die alle ins
– ja schon wieder – Blaue reichen, aus dem Blau hervortauchen,
mit dem Blau davon treiben. In diese Bildwelten zieht es einen hinein;
man segelt beim Betrachten über die Seiten und leise durch die Szenen.
Der Horizont, der Meer und Himmel als feine Linie trennt, ist bei der
Seitengestaltung immer mit aufgenommen. Mal stehen sich Text und Bild
gegenüber, mal nehmen die Bilder den Schnitt zwischen den Elementen
auf. So gelingt es, Text und Bild zu konfrontieren und zu verschmelzen.
Markiert werden zarte Übergänge, vom Kindsein zum Erwachsenwerden,
von Träumen zum Reisen, von Himmel und Wasser. Das Blau dient dabei
als poetischer Maßstab, als ästhetische Recheneinheit. Und
man lernt: Das Maß für riesengroß ist Blau.
Caroline Roeder für "1000 und 1
Buch"
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