Buch des Monats der AG Kinder- und Jugendliteratur

Es gibt Menschen, denen kann man alles an den Augen ablesen. Bei Elmer kann man alles am Rot seiner Wangen ablesen, je röter, desto ähher. Zum Beispiel so: Als Soscha, die Neue, eines ganz normalen Schultags in sein Leben wirbelt, liegt das auf der Rotskala ganz weit oben. Und was macht der Eckballspezialist und überzeugte Kussgegner, als sie – typisch! – ohne große Umschweife sagt, was sie denkt, vor allem fühlt, und ihn kurzerhand zum liebsten Lieblingsfreund erklärt? Richtig, er kommt aus dem Rot-röter-am-rötesten-Werden gar nicht mehr raus. Macht aber nichts, passt ja genau! Schließlich erscheint Soscha ihm wie seine Fußballlampe: Licht an und alles ist gut. Auch das, was nicht gut ist.

Dass er seinen Vater nicht kennt, weil der längst auf und davon ist; dass seine Mutter, die Schuldirektorin, Typ Wir-schaffen-das-schon, manchmal den Lichtschalter nicht findet, weil es dafür zu still ist im Haus, und in Düsternis versinkt; dass es Fragen gibt, die sich nicht beantworten lassen: Warum Väter verschwinden? Warum Großväter schon zu Lebzeiten so gut wie tot sind, kein Wort mehr sagen? Und ob es Elmers Mutter oder ihm selbst auch mal passieren kann, dass einfach alles gelöscht ist?

Nix als Probleme, schwarz wie die Nacht? Ne, rot! Denn da kommt, ganz leichtfüßig, Soscha angestürmt, mit ihrem herzerfrischenden „Elmerchen“ auf den Lippen. Immer nach dem Motto „Niema problemu“ („kein Problem“ auf polnisch, na, sowieso), bringt sie Elmer bei, wie das geht: auf Leute zuzugehen und dabei Freunde zu finden; seinen Opa im Heim zu besuchen und dabei ein vergessenes Geheimnis zu lüften. Eines, das nicht nur mit alten Erinnerungen zu tun hat, sondern schließlich selbst welche weckt, und, ganz zaghaft, einen alten Mann. Kein Wunder, aber ein Anfang. Und das in reinster Poesie, nämlich so: Ehlamär ehlamur. Weil das alles zusammen, das Meer, die Liebe, das Bittere, (Opas) Leben ausmacht. In einer bezaubernden und äußerst liebe-vollen Familien-Freundschafts-Geschichte: über erste, heimliche und wahre Liebe, über Mutter-und-Sohn-Liebe, Großvater-und-Enkel-Liebe, und, und, und. Kann man getrost rot werden. Vor Glück. Nie vergessen!

Christine Knödler für "1000 und 1 Buch"


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Edward van de Vendel:
Was ich vergessen habe


Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf

Carlsen 2004
ISBN 3-551-55236-3
160 Seiten
Eur-D 12,00 | Eur-A 12,40 | SFr 21,90

Carlsen Verlag

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