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Buch des Monats Juli 2004
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Buch des Monats der AG Kinder- und Jugendliteratur
Es sind Monsterwochen in den Rialto-Lichtspielen, einem Etablissement, das in seiner schrägen Heruntergekommenheit so etwas wie die US-Version des legendären Wiener Bellaria-Kinos zu sein scheint. Ben Bancroft hat vor, sich in aller Ruhe einen Monsterfilm nach dem anderen reinzuziehen – er ist gewöhnt, allein ins Kino zu gehen, ist er doch, auch aufgrund seiner halbseitigen Lähmung, ein klassischer Außenseiter.
Doch alles kommt ganz anders, als Colleen Minou beschließt, sich neben ihn zu setzen: Der klassische Bürgerschreck, mit einem Outfit wie Helena Bonham Carter in „Fight Club“ und dem Lebensmotto „Man kann nie high genug sein“. Zu allem Überfluss kotzt sie auch noch aus dem Auto von Bens eleganter Großmutter, kein guter Start für eine harmonische Beziehung also. Dennoch entwickelt sich zwischen den beiden eine eigenwillige, spröde Freundschaft. Leitmotiv bleibt dabei das Thema Film: Angeregt und provoziert von Colleen, entwickelt sich Ben vom Filmschauer zum Filmschaffenden.
Ron Koertge, aus dessen umfangreichen Oeuvre für Jugendliche und Erwachsene bislang nur wenige Texte ins Deutsche übersetzt wurden, hat ein genaues Gespür für witzige und gleichzeitig todtraurige Dialoge, für Situationskomik, die nie in Slapstick abgleitet. Zur sprachlichen Stimmigkeit des Textes hat Übersetzerin Heike Brandt einiges beigetragen, wenn auch der Originaltitel noch mehr von der brutalen Einsamkeit und gesellschaftlichen Randposition der beiden Hauptfiguren spüren lässt: "Stoner and Spaz", also in etwa "Junkie und Spasti". Aber dieser radikale Titel hätte wohl manche BuchhändlerInnen, erwachsene BuchkäuferInnen und andere VermittlerInnen etwas überfordert und vom Kauf des Buches abgehalten – und das wäre wirklich sehr schade!
Kathrin Wexberg für "1000 und 1 Buch"
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