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Buch des Monats Mai 2004
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Buch des Monats der AG Kinder- und Jugendliteratur
Ein zu klein geratener Mäuserich mit zu groß geratenen Ohren stellt sich den
Intrigen einer vom Leben enttäuschten Ratte; doch die Liebe zur schönen
Prinzessin Erbse lässt den Mäuserich – ganz in der Tradition der Ritterromane –
beinahe alle Hindernisse überwinden. Auf das, was davor, dazwischen und danach
passiert, wird man gut vorbereitet. Besonders, wenn man genau hinhört: Denn die
anmutig melodiöse Stimme des Erzählers spricht LeserInnen immer wieder direkt
an, erklärt nicht nur, sondern weist auch auf bemerkenswerte Details hin.
Dieser feinsinnige Kunstgriff macht das Geschehen unmittelbarer, regt darüber
hinaus dazu an, gewissen Wörtern in ihrer Bedeutung nachzuspüren. Damit werden
so ganz nebenbei auch Sprache und Erzähltraditionen mit erklärt. Der Ton des
wissenden Erzählers bleibt dabei stets neutral, trotz einer gewissen seufzenden
Dramatik (die allerdings sowohl in glücklichen wie auch traurig-schaurigen
Szenen mitschwingt) ergreift er nicht Partei, versucht vielmehr aktuelle
Handlungsimpulse aus den jeweiligen biografischen Koordinaten abzuleiten.
Auch Namensgebung und Gegenspieler-Konstellationen nehmen darauf Bezug:
Mäuserich Despereaux, dessen Name sowohl auf seine französische Mutter als auch
auf sein Schicksal verweist; Ratte Chiaroscuro, die es – gegen ihre Bestimmung
– leidenschaftlich zum Licht zieht; die schöne, verwöhnte Prinzessin Erbse
(nicht so kapriziös wie ihre märchenhafte Namenskusine) und Dienstmädchen
Miggery Sow – geschlagen, verraten und verkauft. Sie alle leiden an ihrer
Geschichte, suchen ihren Platz in der Welt und haben – trotz aller Gegensätze –
doch gemeinsame Berührungspunkte.
„Leben bedeutet Leiden!
, so die Philosophie der Ratten, der Roscuro kühn die These
„Leben bedeutet Licht“
entgegensetzt. Dass er als von allen verachtetes Geschöpf im Licht keinen
Platz hat, muss seinen Hass hervorrufen. Gut und Böse – beides unleugbar
existent auf dieser Welt – treten wieder einmal zum Kampf an. Doch hier gibt's
keinen eindeutigen Sieger, vielmehr werden in sensiblen psychologischen
Analysen Hintergründe transparent gemacht. Am Ende findet man schließlich
Kompromisse.
„Geschichten sind Licht“
– meinte wiederum der alte Gefängniswärter. Was auf diese wunderbar
vielschichtige Variante eindeutig zutrifft.
Elisabeth Wildberger für "1000 und 1 Buch"
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