Buch des Monats der AG Kinder- und Jugendliteratur

Altdorf, wo meine Großeltern wohnten, liegt am Rand einer Ebene, die flach ist wie ein Kuchenblech. Neben der Autobahn, zwischen zwei schnurgeraden Dämmen, hüpft das Wasser der Reuss. Hinter dem Städtchen steigt direkt der felsige Wald auf. (...) Auf einem Platz in der Mitte des Städtchens steht ein gewaltiges Denkmal: ein Sockel hoch wie ein Schrank, darauf ein bärtiger Jäger im Hirtenhemd vor einer gemalten Berglandschaft. Er trägt eine Armbrust auf der Schulter und hält einen Jungen an der Hand: Wilhelm Tell mit seinem Sohn. Die beiden sind etwas zu mächtig geraten. Wie für eine größere Welt gemacht.

In der Mitte der Schweiz ist die neue Erzählung Jürg Schubigers angesiedelt und das Herz des Mythos Schweiz ist eines seiner Themen. Die Überlieferung dieser einzigartigen Vater-Sohn-Beziehung verbindet Schubiger subtil mit der Lebenssituation des Ich-Erzählers: Ein Junge, der die Sommerferien bei seinen Großeltern verbringt,an der Trennung seiner Eltern leidet, sich seinen Vater als Tell imaginiert und von seinem Großvater die Geschichte des Schweizer Volkshelden erzählt bekommt. Mit großer Umsicht erzählt der schweizerische Meister kleiner literarischer Formen von zwei Jungen, denen die Welt zu groß vorkommt und die sich ihr trotzdem stellen.

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Jürg Schubiger:
Die Geschichte von
Wilhelm Tell

Nagel & Kimche 2003
ISBN 3-312-00942-1
93 Seiten
Eur-D 9,90 | Eur-A 10,20 | SFr 17,60

Nagel & Kimche

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