Buch des Monats der AG Kinder- und Jugendliteratur

Ieen imeeehg Chttbosfa na eid 1100 Hubc-Nensliren! Wie gut, dass mein Leben nicht von der Entschlüsselung dieses Satzes abhängt. "Transposition" (Veränderung der Buchstabenanordnung) ist nämlich eines der simpelsten und zugleich unpraktischsten Verfahren der Nachrichtenverschlüsselung. Leider war eine "steganografische" Nachrichtenübermittlung (z.B. in einem hartgekochten, dem Heft beigelegten Ei) mit dem Herrn Chefredakteur nicht auszumachen, was nur beweist, dass persönliche Schicksale immer in einem größeren politischen Zusammenhang stehen. Simon Singh sucht sich allerdings weitaus spannendere "Schlüssel"-Beispiele aus der Weltgeschichte, anhand derer er dieses Faktum und die Geschichte der Nachrichtencodierung aufrollt.

Bereits auf den ersten fesselnden Seiten wird klar, warum er für die Erklärung logischer Codierungsverfahren die Form eines vielseitigen Lauftexts mit wenigen Grafiken und Illustrationen gewählt hat. Die Kunst und Faszination der Verschlüsselung beruht auf den dahinter liegenden menschlichen Schicksalen, auf deren Verstrickung in weltpolitische Kontexte - und erst daraus ergibt sich die Veränderung, Weiterentwicklung, der Erfolg und die Niederlage verschiedenster Methoden.

Gefesselt von der Dramatik dieser komplexen Zusammenhänge reißt der Text mit, vom Schicksal Maria Stuarts bis zu jenem jungen Cambridge-Absolventen, dem jene bahnbrechenden Erfindung gelang, die zur Grundlage der heutigen Informationstechnologien wurde (aber vom britischen Geheimdienst jahrelang geheim gehalten wurde, weswegen andere Namen auf dem Patent prangen). Wie nebenbei streift man geschichtliche Daten ein, versteht globale Konflikte und computertechnische Entwicklungen und verschlingt die Erklärungen kompliziertester naturwissenschaftlicher Konzepte (die Quantenkryptografie als zukünftige Möglichkeit!), die Singh in bester Nachhilfelehrermanier vereinfacht und verbildlicht. Insofern ist dem Autor die Überarbeitung seines Bestsellers "Geheime Botschaften" für ein jugendliches Publikum optimal gelungen. (Die Rüge für die Codierung in alter Rechtschreibung richtet sich wohl an den Verlag und bleibt daher in Klammern).

Gabriele Grunt

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Simon Singh:
Codes - Die Kunst der Verschlüsselung


Aus dem Englischen von Klaus Fritz

Hanser 2002
34 Seiten


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