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Buch des Monats Juni 2002
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Buch des Monats der AG Kinder- und Jugendliteratur
"Als ich noch klein war, glaubte ich, dass man stirbt, wenn man seine
Wörter alle verbraucht hat. [...] Natürlich bekam jeder eine andere Wörteranzahl.
Sonst wäre es einfach. Und selbstverständlich wusste kein Mensch, wie
viele Wörter er besaß." Fünf Wochen werden in der tagebuchartig strukturierten
Ich-Erzählung festgehalten, von einem der ersten Krankenhausbesuche bis
zum Tod von Mindys Mutter. Die Auseinandersetzung mit der Erkrankung und
dem Verlust der Mutter durch einen Gehirntumor ist das zentrale Grundthema
der Erzählung. Vom Handlungsverlauf her dezent im Hintergrund bleibend,
dominiert es die kmplexen Gefühls- und Erinnerungswelten des 16-jährigen
Mädchens und durchdringt so auf subtile Weise ihren Alltag. Lieblingsschallplatten,
Bücher, Gemälde, Filmszenen und Einrichtungsgegenstände sind vielschichtiger
Spiegel für die Erinnerungen des Mädchens. Erst die Abwesenheit der Mutter
macht die Familienkonstellation sichtbar und gibt im Erzählverlauf einem
ganz anderen existentiellen Thema viel größeren Raum: Der problematischen
Beziehung zu dem korrekten, kühlen Vater, der lieber einen Sohn gehabt
hätte.
Nach der Darstellung eines Kulturkonflikts am
Amazonas in ihrem ersten, mehrfach ausgezeichneten Jugendbuch, greift
die us-amerikanische Kulturanthropologin und Psychologin erneut ein problembezogenes
Thema auf. Verbindend ist diesen beiden inhaltlich sehr unterschiedlichen
Darstellungen neben der hervorragenden Auseinandersetzung mit einer konkreten
Thematik vor allem die Kunstfertigkeit, mit der die Autorin Beziehungskonstellationen
literarisch umsetzt. In beiden Büchern ist es nicht ausschließlich das
"Problem", das im Mittelpunkt Abeloves Darstellungen steht, sondern die
tiefgehende Ausgestaltung der Figuren in ihrer bildhaft komponierten Erlebenswelt.
Gabriele Grunt
Buch
des Monats - Archiv

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