Buch des Monats der AG Kinder- und Jugendliteratur

"Gerson saß nicht im Auto", sagte Klaas später, "das Auto saß in Gerson". Nach einem Unfall liegt der 13-jährige Gerson im Koma. Als er aufwacht, ist es dunkel. Gerson hat nun keine Augen mehr, nur noch Löcher. "Früher ging ich in den Garten, schaute mir Dinge an, die mich ablenkten. Das geht jetzt nicht mehr." Auch das Weinen geht nicht mehr: "Meine Tränendrüsen sind kaputt, da kommt nichts raus."

Bald schon wird Gerson aus dem Krankenhaus entlassen. Zu bald. Denn zuhause - Buche, Zeder im Garten, braune Regentonne - das gibt es nicht mehr. So wird das Erzählen zum Abzählen, zum Festhalten der begrenzten Zeit. Die Entlassung bestätigt unwiderruflich das Urteil, dass keine Heilung mehr möglich und alle Illusionen vergeblich sind. Gerson versinkt hinter einer Wand aus Schmerz und kränkender Erinnerung. Die Geschichte endet hinterm Haus am See. "Ich werde nichts. Ich gehe nicht mehr von hier weg," sagt Gerson.

Gerbrand Bakker gelingt ein stilles und beklemmendes Porträt einer Zerstörung. Zurückhaltend nüchtern, manchmal fast dokumentarisch erzählt "Birnbäume blühen weiß" die Geschichte eines Unfalls. Dass Bakker dabei auch den kleinsten Nebenfiguren eindringliche Tiefe und Präsenz verleihen kann, zeigt, dass er sein Handwerk versteht. Immerhin lässt er uns so nicht nur mit der Ratlosigkeit seiner Figuren zurück, sondern er zeichnet zwischen den Zeilen die oft hilflosen, unzulänglichen, unsäglich gut gemeinten und vielleicht einfach doch nur liebevollen Versuche, einander zu erreichen und festzuhalten.

Klaus Gasperi

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Gerbrand Bakker:
Birnbäume blühen weiß


Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann

Patmos 2001
125 Seiten


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