Buch des Monats der AG Kinder- und Jugendliteratur

Seit wir in dieser Wohnung wohnen, werden wir zu bestimmten Jahreszeiten von kleinen Fliegen heimgesucht. Da wir ursprünglich (irrtümlich) angenommen haben, diese lästigen Tiere würden der Nahrungsreste wegen kommen, haben wir sie Dieter genannt - und erschlagen, wo wir ihrer habhaft werden konnten. Seid wir Herbert kennen, ist alles anders.

Herbert will nicht wirklich Herbert genannt werden, was wir verstehen, sondern Wanze, Wanze Muldoon. Wanze ist Privatdetektiv, der einzige in Shiptons Garten, zumindest der einzige der noch lebt. Nachdem er aus seinem letzten Fall (nachzulesen in "Die Wanze", Fischer Schatzinsel), ziemlich lädiert grade noch rausgekommen ist, hat er beschlossen, nur noch "das unauffällig Zeug" zu erledigen, "Ihr wisst schon, kleine Fälle, wo gefressen werden nicht zu den alltäglichen Dingen gehört, die man lieber meiden sollte." Also sitzt er mit Wilma, Grashüpferin und Journalistin, in Dixies Bar rum und schlürft an seinem Drink. Als dann aber ein sterbender Igel reinkracht, ein kleiner Floh namens Netti sein Schiff verliert, als dann auch noch Slade auftaucht, ein Kumpel aus früheren Tagen und ein Ungeheuer den Garten in Angst und Schrecken versetzt, muss Wanze ran. Auch "n Käfer muss schließlich seinen Lebensunterhalt verdienen.

Paul Shipton schreibt die besten Krimis seit Chandler und die besten Tierkrimis überhaupt: Sein "Krabbler" ist so streetwise und tough wie der selige Marlow, außen die Härte, innen das Herz, ständig einen kessen Spruch auf der Lippe, der bisweilen ganz schön ins Philosophische lappt. Lesend vergisst man, dass hier von kleinen Tieren die Rede ist, von kriminellen Schaben, jungen Flöhen, Hirschkäfern im Ring und Nacktschnecken hinter der Theke - alle von Axel Scheffler wunderbar illustriert. Man vergisst auch, dass das Ungeheuer auf zwei Beinen, das Käfer in Gläsern fängt, um sie dann aufzuspießen, dass dieses Ungeheuer ein Mensch ist. Shipton muss einen wunderbar belebten Garten haben!

Seit wir Herbert kennen, tanzt uns Dieter ungestraft auf der Nase herum. Überhaupt haben wir Schwierigkeiten mit jenen Tierchen, die wir früher bedenkenlos "Ungeziefer" nannten. Wenn Besuch da ist, wissen wir nicht, wie wir das mit Dieter und Herbert erklären sollen, ohne als Schwachköpfe dazustehen. Da soll noch einmal jemand sagen, Literatur könne nicht das Leben verändern.

Franz L., Nelli, Dieter, Herbert u. a.

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Paul Shipton:
Heiße Spur in Dixies Bar


Ein neuer Fall für die Wanze

Ill. von Axel Scheffler
Aus dem amerikanischen Englisch von Stephanie Menge

Obelisk / Nagel & Kimche 2001
234 Seiten

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