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Die Erzählung beschreibt jene Zeit, in der man noch wusste, wo Gott wohnt. Und wo geschah, was der Vater wollte. Und man gleich wusste, wenn man es mit einem "Schandfleck" zu tun hatte. Und dass Kinder nichts zu reden haben. Jutta Richter erzählt von den zwei Seiten der Wahrheit, deren eine sagt, wie gut Kinder über Vorurteile hinweg Freundschaften schließen können. Und deren andere weiß, dass Kinder auf die Liebe von Eltern und Gesellschaft - also die Vermittler der Vorurteile - angewiesen sind. In jenem Sommer am Anfang des kleinen Wirtschaftswunders ist die Ich-Erzählerin noch eine richtige Schatzsucherin. Dinge, mit Phantasie betrachtet, verkörpern Wunder, alte Glasscherben, in deren grünem Glas die Welt verändert und auf den Kopf gestellt aussieht, sind sorgfältig in einer Schatzkiste zusammengetragen. In diesem Sommer zertritt der Vater die Schatzkiste voll Zorn und Absicht: Zeit, mit diesem Kinderkram Schluss zu machen. In diesem Sommer zerstören die Mieselsüchtigen Rainers Chance, sich seinen Platz in einer Gemeinschaft zu erobern. Plötzlich ist er nicht mehr der, der Kellerkatzen vertreibt und Spinnen zähmt, sondern der rissige Hände und Dackelbeine hat und seinen eigenen Popel frisst. Und seinetwegen nennen die anderen sie Dieda. Jutta Richters präzise Erzählweise macht Gefühle und Stimmungen nachvollziehbar, lässt sie zwischen den Zeilen entstehen. In kleinen Gesten und Szenen macht sie ihre Figuren fest und die Tragweite ihrer Handlungen: "Wozu ist eigentlich ein Freund gut, den niemand leiden kann?" Ausgrenzung, Freundschaft, Verrat. Wer hat Schuld? Inge Cevela |
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Hanser 2000 |
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