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Ein maskierter Mann hat in Lowertown, Ottawa, einem Viertel, in dem Frankokanadier, Menschen jüdischer Herkunft und irische Katholiken auf engem Raum zusammenleben, den Vater von Sammy Rosenberg schwer verletzt. Der Ich-Erzähler Tommy versucht nun mit CoCo, seinem besten "Franzmannfreund", und Gerald, seinem besten "Katholenfreund", die Sache aufzuklären, schließlich ist Sammy sein bester "Judenfreund". Einige Kinder widersetzen sich hier ganz energisch der jeweiligen Leitkultur ihrer Eltern, der erwachsenen Gesellschaft. Um diesen Fall von Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit herum entwirft Doyle ein wunderbares Zeitbild, erinnert sich an die rauchenden Öfen, spannenden Radiosendungen und falschen Truthähne seiner Kindheit. Wenn in den Träumen seines Helden von Lowertown und Kinofilmen, von Radiosendungen und Weihnachten die Bösewichte mit deutschem Akzent sprechen, macht er deutlich, dass hier nicht Sentiment am Werk ist, dass seine Erinnerungen zwar kindlich und naiv erscheinen, jedoch auch sehr präzise sind. Mit dem sicheren Einsatz erzählerischer Mittel wie Slapstick und Übertreibung, mit deren Hilfe er furios Bilder von großer Intensität und niederschmetternder Komik entwirft, kombiniert mit feiner Dialogführung, erweist sich der Autor nicht nur als Moralist, sondern auch als großer Erzähler, dessen Bücher (zuletzt schon "Chip jagt P.Peperoni") für kluge Kinder und gute Erwachsene ein großes Lesevergnügen sind. Dass Doyle zudem 1983 eine Geschichte erzählt hat, die im ersten Nachkriegswinter in Ottawa spielt und im Jahr 2000 in deutschsprachigen Landen so aktuell ist wie das Wort Leitkultur, beweist, dass er Visionär ist. Höchste Empfehlung! Franz Lettner |
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Oetinger 2000 |
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